Donnerstag, 15. Oktober 2026

Die kleine Zeitkaspel

Mit der Zeit hat man den ein oder anderen Lost Place Gänger bereits etwas näher kennen gelernt und man gibt sich dann auch Tipps, welche Orte besonders sehenswert sind. Und so einen kleinen geheimen Ort möchte ich euch heute zeigen, eine regelrechte unberührte Zeitkapsel.


Das kleine unscheinbare Haus befindet sich am Rand einer Stadt und die Natur greift bereits danach, sodass man es bald wahrscheinlich nur noch hinter Bäumen und Sträucher erahnen kann. Normale Menschen würde ihm keines Blickes würdigen. Wir fanden schnell einen Zugang und standen sofort in einem anderen Jahrzehnt.


Im ersten Raum erwartete uns das Schlafzimmer, dass noch komplett eingerichtet war, man sieht, dass hier eine alleinstehende Person gelebt hat. Es roh modrig und alt, so wie man es auch erwarten würde. Sogar die Schränke waren noch voller Kleidung.


Eine Zentralheizung gab es nicht, sodass jeder Raum einzeln beheizt wurde mit Holz in wunderschönen klassischen Kachelöfen. Ich kenne das noch von meiner Oma und muss sagen, dass es immer eine ganz andere Wärme war, die einen umgab.


Die Wohnküche ist mehr als einladend mit all dem Holz, es wirkt - als würde der Bewohner jeden Moment zurück kommen und sich eine Mahlzeit zubereiten.


Die Regale sind liebevoll eingerichtet, in jedem der Vorratsbehälter ist sogar noch etwas enthalten, zwar ungenießbar aber vorhanden. Nur der Staub auf den Regalen zeigt, dass hier niemand mehr danach greift. Die Uhren sind längst stehen geblieben, ein toller Anblick.


Der sogenannte "Hexenherd" ist ein Prachtstück seines Gleichen...am liebsten hätte ich ihn mitgenommen, so sehr gefällt er mir. So etwas kostet in der heutigen Zeit ein Vermögen, aber die Lost Place Regeln besagen nun mal, dass alles an Ort und Stelle verbleibt.


Mich würde sehr interessieren, wann auf diesem Stuhl das letzte Mal jemand saß und wartete, dass das Essen auf dem Herd fertig sein würde. Nicht weit davon entfernt lag eine Zeitung, die das Datum fast erahnen lies.


Mit hoher Wahrscheinlichkeit und nach Recherche steht das Haus nun wirklich seit gut 16 Jahren leer und das lässt einen Gänsehaut bekommen und man schaut noch genauer hin, denn alles erzählt seine Geschichte.


Auch das Wohnzimmer ziert ein traumhaft schöner Kachelofen, der wahrscheinlich viele kalte und harte Winter Wärme gespendet hat, wem auch immer...es macht einen sehr nachdenklich, ob der Bewohner hier glücklich war.


Im Obergeschoß, was vielleicht mal Kinder- oder Gästezimmer waren, sieht es nicht mehr ganz so wohnlich aus, dort haben sich bereits die Marder und Waschbären es sich gemütlich gemacht, was man deutlich sehen kann.


Und trotzdem strahlen auch diese Räume eine Art Gemütlichkeit aus, die an längst vergessene Zeiten erinnert. Ich mag diese alten Mustertapeten unheimlich gern, sie sind perfekt auf die Farben der Möbel abgestimmt. Sowas war wirklich mal mehr als modern, ich tippe auf die 70er Jahre.


Der Keller ist ein Sammelsurium an allem was sich über viele Jahrzehnte angesammelt hat. Dort lag sogar ein Stapel an Trauerkarten, die nie geöffnet wurden. Wahrscheinlich deshalb auch der Stuhl, weil irgendwann mal Zeit sein sollte, sich die Beileidsbekundungen in Ruhe anzuschauen. Der Anblick macht traurig und nachdenklich zugleich.


Am Ende unserer Erkundung des Hauses entdeckte ich auf einer unscheinbaren Kommode, zwei Fotografien, die die ehemaligen Bewohner zeigen. Ich denke, bei den Personen handelt es sich um eine Mutter und ihren Sohn. Somit hatten wir am Ende doch noch Gesichter zu diesem Zuhause. Wir verneigten und vor Ihnen und bedankten uns, dass wir einen Einblick in ihr Leben hatten.

Bitte habt Verständnis dafür, dass ich euch das Haus nicht in voller Pracht in Außenansicht zeigen, denn ich möchte diesen Ort/diese Zeitkapsel bewahren vor Vandalismus und Randalierern. Und somit anderen guten Lost Place Gängern die Möglichkeit geben, die Schönheit des Vergessens noch zu erleben.

Ich hoffe, diese kleine Zeitreise war wieder spannend und der Rundgang hat euch begeistert. 




Donnerstag, 8. Oktober 2026

Herbstzeit ist Pilzzeit

Ich liebe den Herbst, denn dann ist Pilzzeit. Seit meiner Kindheit geht es einmal im Jahr hoch in den Fläming zum Pilze sammeln. Diese Tradition behalten wir selbst 25 Jahre nach dem Tod meines Papas aufrecht und alle Kinder fahren gemeinsam mit ihren Familien in den Wald, immer an die selbe Stelle. Und so das auch alle zeitlich verfügbar waren, legten wir diesen Ausflug auf den 3. Oktober, wo jeder dieses Jahr mal frei hatte.

Mit dem Wetter hatten wir Glück und gleich nach Ankunft schwärmten alle mit ihren Körben und Messern aus. Ich natürlich zusätzlich mit meiner Kamera bewaffnet um die Schönheit des Waldes auf Foto fest zuhalten um euch damit zu erfreuen. Und es dauerte auch nicht lange und ich fand das erste wunderschöne Motiv.

Die erste Marone zeigte sich, ein tolles Gefühl - zu sehen, dass wir den richtigen Zeitpunkt gewählt hatten zum Pilze sammeln. Natürlich war sie schnell geerntet und fand ihren Platz im Korb.

Natürlich brechen auch viele andere Sorten durch den weichen Waldboden, die nicht in unser Beuteschema passten, aber sich dennoch gut in Szene setzten für eine wunderschöne Aufnahme.

Pilze gibt es in allen Farben und Formen, sie sind regelrechte Farbkleckse auf dem Waldboden. Alles was wir nicht sammeln zum Essen, lassen wir natürlich stehen für kommende Sammler oder als Nahrung für die Waldbewohner.


Ich als begeisterter Pilzsammler bin erst glücklich bzw. ist die Tour erst beendet, wenn ich einen Fliegenpilz gefunden habe. Und ich hatte Glück, zum einen mit einem schon recht großen Exemplar. Und nur weniger Meter weiter brach ein ganz junger durchs Erdreich.


Umsäumt von Moos, Tannenzapfen und bereits fallendes Laub. Ein wunderschöner Anblick, wie aus dem Märchen. Und genau so etwas lässt mein Herz höher schlagen und ich bringt mir inneren Frieden.
Es wirkt alles so perfekt, so unberührt, einfach Natur pur.

Natürlich wurde die Ausbeute unter allen Parteien geteilt, sodass es am Ende auch gerecht zuging. Am Abend nach einem wunderschönen Tag mit allen Familienmitgliedern gab es eine deftige Pilzpfanne und sie war verdammt gut, sodass wir wohl noch so einige Male zum Pilze sammeln gehen werden, Wälder gibt es ja genug.

Solche Tage sind zwar lang, aber irgendwie auch mega entspannend...man glaubt gar nicht, wie gut das Pilze sammeln der Seele tut, denn man denkt an nichts anderes. Seht ihr das auch so???




Donnerstag, 1. Oktober 2026

Traumhafte Naturaufnahmen Teil 20

Auch wenn mein Nervenkostüm noch immer sehr angespannt ist, tut mir das Schreiben doch recht gut und deshalb werde ich hier die beliebtesten Rubriken weiter mit Beiträgen füttern. Und so kommt heute ein Post für die Sparte "Traumhafte Naturaufnahmen", denn mit Einzug des Herbstes gibt es ganz tolle und schöne Fotomotive.

Der Ahorn hing dieses Jahr wahnsinnig voll mit Samen, der einen regelrecht ins Auge sprang. Wie viele junge Bäume daraus wachsen, wird der Verlauf des Winters zeigen. Ich erinnere mich noch an meine Kindheit, da war es Gang und Gäbe sich die Spaltfrüchte auf die Nase zu kleben. Das kennen die Kinder von heute leider nicht mehr 😔.

Auch die Birnenbäume haben diese Saison mehr als genug süße Früchte gegeben, fast jede Blüte wurde zu Obst. Sodass man sich beruhigt satt essen konnte, es wurde Konfitüre gemacht und das beliebte Kompott nach klassischem DDR Rezept mit einer Brise Zimt.


Einige Rosen stehen noch in voller Blüte und treiben weitere Knospen aus, bei dem Anblick kann man kaum glauben, dass bereits Anfang Oktober ist. Aber die Temperaturen spielen ja auch noch mit, aktuell haben wir am Tage um die 26 Grad und genießen das auch, denn schnell genug wird dann das Wetter umschlagen.


Ein Distelgewächs ist bereits stark am Verwelken und die einst kräftig lila Blüten haben sich zu weichen Flaum verwandelt, der beim nächsten Windstoß den Samen in alle Richtungen verteilt. Die doch sehr verhasste Pflanze bekommt dadurch eine zarte verletzende Facette und man verspürt den Wunsch, sie zu berühren.


Auch dieser Strauch bietet interessante Details, wahrscheinlich eine Mischung aus Blüte und Frucht. Ich kann nicht mal sagen, was es für eine Pflanze ist. Ich hatte sie nur auf meiner letzten Radtour entdeckt. Vielleicht kann mir ja jemand weiter helfen.


Die Kürbisse im Garten befinden sich bereits auf der Zielgeraden bei der Reifung. Ich baue sie nur an für die Herbstdekoration und Halloween. Essen tun wir keine, ist einfach nicht unser Geschmack.


Und natürlich darf auch die Kastanie nicht fehlen, der absolute Klassiker, denn sie läutet wirklich den Beginn des Herbstes ein. Und wie es der Brauch seit Jahrhunderten ist, ist die erste gefundene Kastanie nun ein ständiger Begleiter in der Tasche, denn bekanntlich bringt das Glück.


Das letzte Bild zeigt eine bewachsene Grundstücksmauer. Ich bin immer wieder begeistert zu sehen, welche Perfektion doch in der Natur zu finden ist. Man muss eben nur genauer hinschauen und man sieht die Schönheit.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesen Aufnahmen mal wieder eine Freude machen. Und dem ein oder anderen nochmal nahe führen, wie schön die Natur doch ist. Vielleicht habt auch ihr nun Lust bekommen, genauer hinzuschauen und das ein oder anderen Anblick für immer auf Foto fest zuhalten. 




Mittwoch, 23. September 2026

4. Update zum Gartenexoten 2026

Nun steht der Herbst vor der Tür und es scheinen die letzten warme Tage zu sein mit Temperaturen um die 22 Grad. Der Gartenexot, die Ananas Chili hat sich in den letzten 4 Wochen entschieden, endlich in die Höhe zu gehen. Die Pflanze ist jetzt gut 50 cm hoch und wirkt mehr als kräftig.

Das Blattwerk hat ein sattes dunkles grün und bei genauerer Betrachtung kann man Blüten und die ersten kleinen Fruchtstände erkennen. Und mir wird richtig warm ums Herz bei dem Anblick, dass diese einzige Pflanze mir soviel Freude bereitet.


Ich bin wirklich sehr gespannt, welche Größe die Chilischoten haben werden, die dann geschmacklich süß nach Ananas schmecken sollen. Natürlich muss auch das Wetter noch ein wenig mitspielen, auch wenn dieses jetzt wechselhafter werden soll.

Bis jetzt bin ich guter Dinge, dass der diesjährige Gartenexot doch noch ein Erfolg wird, obwohl der Start mehr als schlecht verlief. Also drückt der Pflanze und mir weiterhin die Daumen, dass der Herbst es gut mit uns meint....





Mittwoch, 16. September 2026

Das FDGB Heim

Zu DDR Zeiten gab es sogenannte FDGB Heime, dass waren Erholungseinrichtungen der Gewerkschaften für die arbeitende Bevölkerung. Dort konnten Arbeitnehmer über ihren Betrieb Urlaub machen zu einem sehr geringen Eigenkostenanteil. Die meisten lagen im Harz oder an der Ostsee. Nach der Wende wurden 90 % geschlossen, da sich keiner fand sie privat weiter zu betreiben und so wurden sie zu Ruinen. Eins dieser vergessenen Objekte habe ich besucht und würde es euch gern zeigen, wie es nach 36 Jahren Leerstand aussieht.

Das Objekt mit diesem besonderen Eingang wurde 1952 erbaut in einer idyllischen Senke im Harz, es muss ein atemberaubender Blick gewesen sein umgeben von Bäumen und Wald. Jetzt wirkt es irgendwie völlig fehl am Patz, als kalter Betonklotz.


Die riesige Eingangshalle wirkt noch immer hell und freundlich, auch wenn sie nur noch Farbe von Graffiti aufweisen kann. Ein sehr großer Saal schließt sich seitlich an, der für Veranstaltungen, wie Kinovorführungen und Tanzabende zur Verfügung stand. Die riesigen Fensterfronten ließen die Abendsonne teilhaben, was bestimmt toll anzusehen war. Die Bühne lässt sich nur noch mit viel Fantasie erahnen.


Geschwungene Steintreppen führten ins 1. und 2. Geschoß, wo sich die Zimmer für die Urlauber befanden. Insgesamt verfügte das Haus über 160 Betten, die stets und ständig ausgebucht waren. Von 2-4 Bett Zimmer war alles zu haben, denn Familienurlaub wurde unterstützt durch die Regierung und den Firmen.


Insgesamt verfügte das Ferienobjekt über 4 Etagen, die Bettenhäuser waren nach hinten verlagert, sodass, der Baustil einem U nachempfunden war, aber nicht gleich sichtbar.


Leider sind die Treppenaufgänge bereits sehr verfallen, die Entkernung des Gebäudes hat daran bestimmt eine Mitschuld getragen. Die einzelnen Zimmer waren praktisch und einfach eingerichtet, sie dienten eher der reinen Übernachtung, da die Menschen sich ja draußen in der Natur aufhalten sollten. 


Sie hatten alle den selben Schnitt und unterschieden sich nur in der Größe, je nach Anzahl der Betten. Aber jedes Zimmer hatte einen kleinen Balkon, der die Schönheit des Waldes und des Harzes zeigte. So konnten die hart arbeitenden Bürger der DDR die Seele baumeln lassen.


Von den wunderschönen Eisgengeländern ist nichts geblieben, die wurden schon längst zu Geld gemacht. Der Gesamtanblick des Gebäudes ist erschütternd, man kann sich kaum noch vorstellen, wie schön es ihr einst mal war.


Laut Recherche soll es wohl jetzt verkauft sein und es wird erzählt, dass man vor hat, Luxuswohnungen daraus zu machen. Aber ob das Vorhaben gelingt, steht auf einem anderen Blatt. Denn dieses denkmalgeschützte Objekt wieder in alten Glanz erstrahlen zu lassen, wird wohl ein Vermögen kosten.


Wer jetzt neugierig geworden ist, wie schön es in den 80er Jahren dort mal gewesen war...kleiner Tipp - die markante Bauform ist leicht zu finden. Einfach mal recherchieren und staunen. In dem aktuellen Zustand ist es ein beliebter Ort für Lost Place Gänger, die bereits vorher wissen - wie es zu Blütezeiten mal ausgesehen hat.

Meine Eltern und wir Kinder sind leider nie in den Genuss gekommen, dort einen Ferienplatz zu ergattern, aber ich sage mir, ich habe es jetzt besucht und dank meiner Fantasie trotzdem die Schönheit aus längst vergessenen Zeiten des Ortes gesehen.