Als ich mir dieses traumhaft verwunschene Grabmal angeschaut hatte, habe ich mich auf der Rücktour total verfahren und entdeckte in einem kleinen Dorf eine Kirche, die gleich meinen Blick auf sich zog, da sie vergessen wirkte. Jedenfalls notierte ich mir den Namen des Ortes und fuhr nach Hause, da mir keine Zeit zur Erkundung mehr blieb. Dies holte ich am Männertag mit meiner Tochter nach, da wir beide an diesem Tag frei hatten.
Die Kirche aus den Anfangsjahren des 18. Jahrhunderts steht inmitten einem winzig kleinen Friedhofs und sie besteht aus roten Sandstein, der Kirchturm wurde bereits entfernt, da sie einsturzgefährdet ist und Bauzäune sie absperren. Und dennoch war unsere Neugierde so groß, dass wir ein offenes Fenster entdeckten und auf eigene Gefahr das Gotteshaus auf diesem Wege betraten.
Und dann steht man auf einmal mitten im Kirchenschiff und es entlockte einem ein "Wow", denn die Kirche ist noch komplett eingerichtet. Bänke und Altar sind in weiß gehalten, was wunderschön aussah.
Die Stuckdecke und auch die Orgel sind in sündenreinen Weiß gehalten, eigentlich wirkt alles aufgrund des massiven Holzes noch recht stabil im Inneren. Es strahlte alles einen unheimliche Stille und Frieden aus.
Über dem kleinen Altar befand sich die Kanzel, sodass der Pfarrer direkt zu seinen Gemeindemitgliedern sprechen konnte aus der Mitte heraus. Die angebrachten geschmiedeten Eisenteile in Pechschwarz lassen den Altar märchenhaft erscheinen.
Welche Lieder beim letzten statt gefundenen Gottesdienst gesungen wurden, kann man sogar noch nachvollziehen, denn Notenblätter liegen frei sichtbar da, wann das war - konnte ich aber nicht in Erfahrung bringen.
Begleitet wurden die Kirchengänger bei ihrem Gesang durch die Orgel, die leider nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Aufgrund der Form des Gebäudes hat es sich aber bestimmt traumhaft schön angehört. Ein zweites Musikinstrument befand sich rechts neben dem Altar, was wahrscheinlich auch sehr oft zum Einsatz kam.
Solche uralten Klangkörper sind wahrscheinlich ein Vermögen wert und werden hier einfach sich selber überlassen, was traurig ist. Ich denke, es würde das Herz so manchem Sammlers höher schlagen lassen. Auch wenn die Kirchenspitze und Glocke bereits abgetragen wurden, wagten wir den Turmaufstieg und wurden mit traumhafte Anblicke belohnt.
Der Stuhl vor dem wunderschönen Fenster lud regelrecht zum Verweilen ein, wahrscheinlich gehörte er dem Orgelspieler. Es war bestimmt ein traumhafter Anblick damals, als die bunte Bleiverglasung noch vorhanden war. Aber auch in diesem Zustand hat es nichts von seiner Schönheit verloren.
Durch die Hauptfenster kämpft sich nun mit aller Kraft das Efeu, was am Ende auch gewinnen wird. So wird es nicht mehr lange dauern, und die Fenster werden bersten, sodass Wind und Wetter dem Gebäude den Rest geben werden. Die Spinnweben geben dem Anblick das Besondere.
Ich mag es einfach Fenster in verfallenen Zustand auf Foto fest zuhalten, sie sind immer der beste Beleg für den Blick in die Vergangenheit. Ich haben so viele Aufnahmen, dass ich bereits einen Fotoband rausbringen könnte. Und so habe ich auch dieses Kirchenfenster an der Ostfront des Gebäudes die letzte Ehre erwiesen.
Mit einem letzten Blick auf diesen wunderschön gestaltenden Altar beendeten wir unsere Erkundung der Kirche. Die wahrscheinlich irgendwann dem Erdboden gleich gemacht wird, denn entweiht wurde sie bereits. So unentdeckt wir wir gekommen sind, haben wir diesen gesperrten Ort auch wieder verlassen. Uns begeisterte dieser Lost Place auf ganze Linie und der Besuch hatte sich mehr als gelohnt.
Die Kirche trug den Namen St. Aegidien, benannt nach einem der 14 Nothelfer, die Schutzpatronen im Mittelalter. Diese Gruppe bestand aus 11 Männern und 3 Frauen. Mehr konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.