Sonntag, 1. November 2026

Ausverkauf mal anders

Seit gut einem Jahr habe ich "Haushaltsauflösungen" für mich entdeckt und bin regelmäßig mit meiner Tochter unterwegs. Ich finde das mega spannend in das Leben anderer Menschen einzutauchen und das ein oder andere Schnäppchen zu machen. Aber dieses Mal handelte es sich um eine ganz andere Location, die sogar für mich absolutes Neuland war. Denn bei der Auflösung des Hausstandes handelt es sich um das komplette Inventar eines Schlosses.


Natürlich hat so ein Gebäude etwas mehr zu bieten als ein einfaches Einfamilienhaus, denn es bedeutete, ganze 38! Zimmer zu durchforsten, nach Schnäppchen und Besonderheiten. Es wurde in Privathand verkauft und der neue Besitzer öffnete die Tore zur "Haushaltsauflösung" - da er rein an dem Gebäude interessiert ist. Nun ja, jedenfalls war die Neugierde groß und ich muss sagen, es gab wahnsinnig viel zu entdecken.


Am Anfang entdeckten wir zwei wunderschöne Kronleuchter mit Bergkristallen, die aber leider schon verkauft waren, aber sie ließen bereits unser Herz höher schlagen. Um so tiefer wir in die Räumlichkeiten des Schlosses aus dem 15. Jahrhundert eindrangen, desto imposanter wurden die Gegenstände.


Es gab unendlich viele Stühle aus der Barockzeit, in allen Formen und Farben, man hatte regelrecht die Qual der Wahl. Die Vorstellung, dass dort mal der Adel saß und man sie jetzt käuflich erwerben konnte, hat schon was.


Dieser traumhaft edle Schrank aus Ebenholz stammt von 1785 und es ist keine einzige Schramme daran zu entdecken. Er ist riesig und bietet enorm viel Stauraum. Und das Beste daran, er wechselte gerade mal für 300 Euro den Besitzer. Ein Schnäppchen ohne Gleichen.


Diese Kommode im Zimmer der edlen Damen wartete mit wunderschönen Schnitzereien und Beschlägen auf. Der Spiegel ist noch immer glasklar und die Marmorplatte weist nicht einen Kratzer auf. Bei solchen Möbeln kann man nur schwach werden.


Gemälde von klein bis riesig wurden in Unmengen angeboten, bei diesem Stück habe ich sehr lange überlegt, ob ich es kaufen soll, nur fehlt mir der Platz zum Aufhängen, denn es hatte eine Länge von mehr als 2 Metern. Den Zuschlag hätte ich für unter 100 Euro erhalten.


Der große Speisesaal gehalten in Rot entlockte mir ein "Wow" beim Betreten. Alles war perfekt von Form/Farbe her abgestimmt. Die Besucher zückten ihre Zollstöcke und kaufte die Damast Vorhänge direkt von den Fenstern weg.


Ob ihr es mir glaubt oder nicht, es kamen uns Besucher entgegen, die zusammen gerollte Teppiche unter den Armen trugen und sich darüber freuten, auch wenn diese bereits mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben und wahrscheinlich ein fachmännische Reinigung benötigen um in neuen Glanze zu erstrahlen. Man konnte wirklich alles kaufen, was nicht niet- und nagelfest war.


Der uralte Flügel mit passendem Stuhl war eins der Highlight um den am Ende ein regelrechter Bieterkrieg ausgebrochen war. Für was er am Schluss weg ging, kann ich nicht sagen, aber die Summe wird gut 4-stellig gewesen sein. Aber die Vorstellung freut mich, dass nach vielen Jahren der Stille, ihn wieder jemand spielen wird.


Diese wunderschöne Stuckdecke wollte ich euch auch unbedingt noch zeigen und habe sie fotografiert, denn dass ist für mich wahre Kunst. Ich hatte Glück sie noch mit Kronleuchter auf Foto festhalten zu können, da bereits jemand mit einer Leiter parat stand um ihn abzubauen, da er gerade verkauft wurde. Ich hoffe der neue Besitzer sieht die Schönheit der Decke und belässt sie in diesem Zustand, so etwas muss unbedingt erhalten bleiben.


Den Abschluss unseres Besuches bildete diese alte massive Holztür mit eisernen Beschlägen. Ich war sofort verliebt und hätte schon irgendwo einen Platz dafür gefunden. Aber meine Tochter holte mich in die Realität zurück und sagte "wir können sie nicht mal tragen und ins Auto passt sie auch nicht"....und sie hatte Recht.😞

Jedenfalls war es ein toller Nachmittag in diesem Schloss und die Zeit verging wie im Fluge. Anscheinend waren keine Museen an den Dingen interessiert. Und bevor der neue Schlossbesitzer alles auf den Speermüll wirft, hat er eben alles verkauft. Immerhin bleibt so fast alles erhalten und bekommt eine neues Leben geschenkt. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, dass ich  mir das alles nochmal anschauen konnte, denn nun wird nie wieder ein Mensch die Chance erhalten dieses Schloss in seiner alten Pracht zu sehen.