Sonntag, 14. Juni 2026

Das kleine Haus Gottes

Als ich mir dieses traumhaft verwunschene Grabmal angeschaut hatte, habe ich mich auf der Rücktour total verfahren und entdeckte in einem kleinen Dorf eine Kirche, die gleich meinen Blick auf sich zog, da sie vergessen wirkte. Jedenfalls notierte ich mir den Namen des Ortes und fuhr nach Hause, da mir keine Zeit zur Erkundung mehr blieb. Dies holte ich am Männertag mit meiner Tochter nach, da wir beide an diesem Tag frei hatten. 

Die Kirche aus den Anfangsjahren des 18. Jahrhunderts steht inmitten einem winzig kleinen Friedhofs und sie besteht aus roten Sandstein, der Kirchturm wurde bereits entfernt, da sie einsturzgefährdet ist und Bauzäune sie absperren. Und dennoch war unsere Neugierde so groß, dass wir ein offenes Fenster entdeckten und auf eigene Gefahr das Gotteshaus auf diesem Wege betraten.

Und dann steht man auf einmal mitten im Kirchenschiff und es entlockte einem ein "Wow", denn die Kirche ist noch komplett eingerichtet. Bänke und Altar sind in weiß gehalten, was wunderschön aussah.


Die Stuckdecke und auch die Orgel sind in sündenreinen Weiß gehalten, eigentlich wirkt alles aufgrund des massiven Holzes noch recht stabil im Inneren. Es strahlte alles einen unheimliche Stille und Frieden aus.


Über dem kleinen Altar befand sich die Kanzel, sodass der Pfarrer direkt zu seinen Gemeindemitgliedern sprechen konnte aus der Mitte heraus. Die angebrachten geschmiedeten Eisenteile in Pechschwarz lassen den Altar märchenhaft erscheinen.


Welche Lieder beim letzten statt gefundenen Gottesdienst gesungen wurden, kann man sogar noch nachvollziehen, denn Notenblätter liegen frei sichtbar da, wann das war - konnte ich aber nicht in Erfahrung bringen.


Begleitet wurden die Kirchengänger bei ihrem Gesang durch die Orgel, die leider nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Aufgrund der Form des Gebäudes hat es sich aber bestimmt traumhaft schön angehört. Ein zweites Musikinstrument befand sich rechts neben dem Altar, was wahrscheinlich auch sehr oft zum Einsatz kam.


Solche uralten Klangkörper sind wahrscheinlich ein Vermögen wert und werden hier einfach sich selber überlassen, was traurig ist. Ich denke, es würde das Herz so manchem Sammlers höher schlagen lassen. Auch wenn die Kirchenspitze und Glocke bereits abgetragen wurden, wagten wir den Turmaufstieg und wurden mit traumhafte Anblicke belohnt.


Der Stuhl vor dem wunderschönen Fenster lud regelrecht zum Verweilen ein, wahrscheinlich gehörte er dem Orgelspieler. Es war bestimmt ein traumhafter Anblick damals, als die bunte Bleiverglasung noch vorhanden war. Aber auch in diesem Zustand hat es nichts von seiner Schönheit verloren.


Durch die Hauptfenster kämpft sich nun mit aller Kraft das Efeu, was am Ende auch gewinnen wird. So wird es nicht mehr lange dauern, und die Fenster werden bersten, sodass Wind und Wetter dem Gebäude den Rest geben werden. Die Spinnweben geben dem Anblick das Besondere.


Ich mag es einfach Fenster in verfallenen Zustand auf Foto fest zuhalten, sie sind immer der beste Beleg für den Blick in die Vergangenheit. Ich haben so viele Aufnahmen, dass ich bereits einen Fotoband rausbringen könnte. Und so habe ich auch dieses Kirchenfenster an der Ostfront des Gebäudes die letzte Ehre erwiesen.


Mit einem letzten Blick auf diesen wunderschön gestaltenden Altar beendeten wir unsere Erkundung der Kirche. Die wahrscheinlich irgendwann dem Erdboden gleich gemacht wird, denn entweiht wurde sie bereits. So unentdeckt wir wir gekommen sind, haben wir diesen gesperrten Ort auch wieder verlassen. Uns begeisterte dieser Lost Place auf ganze Linie und der Besuch hatte sich mehr als gelohnt.

Die Kirche trug den Namen St. Aegidien, benannt nach einem der 14 Nothelfern, die Schutzpatronen im Mittelalter. Diese Gruppe bestand aus 11 Männern und 3 Frauen. Mehr konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. 





34 Kommentare:

  1. Solche Anblicke von verlassenen oder aufgegebenen Kirchen bringen mich immer wieder zum Nachdenken über die Gründe. Aber egal, die Bilder sind beeindruckend und zeigen immer noch einen Teil der Schönheit, die es dort einmal zu bewundern gab.
    Liebe Grüße
    Arti

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    1. die Dörfer verwaisen hier immer mehr, demnach werden auch die Kirchenmitglieder weniger. Und irgendwann wird eben die Kirche nicht mehr benötigt.

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  2. Ein schöner Bericht. Das ist wirklich traurig, was alles sich selbst überlassen wird. LG, Rahel

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    1. ist auch wieder ein Zeichen dafür, dass die Kirche und der Glaube immer mehr an Bedeutung verlieren.

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  3. Wie wunderschön, bin begeistert. Danke für diese tollen Fotos. Der weiße Altar ist sehr besonders. Eine Kanzel über dem Altartisch habe ich zuvor noch nie gesehen.

    Du findest wahrlich verzauberte Orte. :)
    Liebe Grüße

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    1. und diese Stille in dem Gebäude hat noch alles viel imposanter wirken lassen.

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  4. Schade, dass man das so langsam zerfallen lässt. Das viele Weiss sieht recht unkonventionell aus, für mich ein echter Hingucker. Aber eben, die Gründe sind nicht bekannt. Jedenfalls hat der Bau und die Einrichtung richtig Geld gekostet. Einfach schade, es ist unbegreiflich für mich.
    LG Werner

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    1. war bisher auch meine erste komplett weiße Kirche, es wirkte alles so friedlich und stimmig. Vielleicht erbarmt man sich ja jemand und rettet das Gebäude.

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  5. ...it's sad that the church has been abandoned.

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    1. Yes, it is; such an old building is worth preserving.

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  6. La primera foto es muy linda. Te mando un beso.

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    1. Sí, y despierta la curiosidad por ver el interior de la iglesia. Aquí rara vez se ven edificios construidos con arenisca.

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  7. Kirchen, Kapellen jeder Konfession finde ich überall sehenswert aber leider verfallen unsere immer mehr. Das ist auch kulturell sehr schade.
    LG aus Wien

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    1. ja das stimmt....aber als Lost Place haben sie nochmal einen ganz anderen Stellenwert.

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  8. Das ist wirklich ein kleines Schmuckstück (gewesen) liebe Romy, was ihr da entdeckt habt. Warum man die Orgel nicht herausgenommen hat verstehe ich auch nicht. Ihr seid mutig gewesen und die Mutigen wurden belohnt. Danke dass wir diesen Lost place der schon besonders ist sehen durften.

    Liebe Grüße
    Kerstin und Helga

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    1. meist ist die Orgel als Erstes weg in solchen Lost Place, ich war auch erstaunt, dass sie hier noch in voller Pracht zu bewundern war. Ich bin wirklich glücklich, dass ich sie mir ansehen konnte.

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  9. What an enchanting place. There is still a lot of beauty there <3

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    1. Yes, the facilities are fantastic, it's a shame that everything is left to its own devices.

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  10. Danke, Romy, du hast uns wieder beeindruckende und interessante Bilder mitgebracht. Beim Lesen hatte ich die Empfindung, dass du die alte Kirche kurz zum Leben erweckst. So schön hast du alles beschrieben.
    Liebe Grüße von Heidi

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    1. danke, freut mich unheimlich - dass dir der Bericht so gut gefällt. Der Ort hat mich auch wirklich sehr berührt.

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  11. Toll was du immer für versteckte Schätze entdeckst und dass du uns mit auf die Erkundungstour nimmst. Danke, spannend :)
    LG Petra

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    1. es macht auch immer wieder unheimlich viel Spaß, weil man nie weiß - was einen erwartet. Und das ich auch damit begeistern kann, ist dann auch klasse.

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  12. Sehr schade, dass man alles so verfallen lässt. Die Instrumente hätte man doch wenigstens retten können. Wenn man bedenkt, wie teuer eine Orgel ist, ist es eine Schande. Das sind wieder tolle Fotos und auch immer wieder spannend. Es ist ja nicht ganz ungefährlich. Ich weiß nicht, ob ich den Mut hätte, in so verfallene Gebäude zu gehen.
    LG Elke

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    1. ich habe bereits eine Anfrage erhalten von jemanden, der die Orgel retten möchte, ob ich den Standort verraten würde....naja, vielleicht klappt es ja. Es gehört immer eine Portion Mut dazu, aber am Ende siegt die Neugier.

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  13. Wirklich schade, dass sie den Ort so verfallen lassen und die Kirche sogar schon entweiht ist.
    Andererseits gibt das dem Ort sicherlich noch mal eine ganz eigene Atmosphäre und ich kann deine Faszination schon von den Fotos her total verstehen!

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    1. vielleicht haucht ihr ja jemand wieder Leben ein und nutzt sie einfach auf eine andere Art und Weise. Ideen für die Nutzung gibt es bestimmt.

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  14. Immer wieder schön anzusehen, wie du diese wunderbaren Fenster in Szene setzt, sie wirken dann immer verwunschen und märchenhaft. LG Delia

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    1. ich bin der Meinung, dass genau solche Fenstern einen den Blick in die Vergangenheit wunderschön zeigt.

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  15. Da hast Du wieder einen traumschönen Lost Place gefunden. Dass alles noch drin ist, kannn ich kaum glauben. Es sind doch wertvolle Stücke wie Orgel und auch die Kirchenbänke usw. Auch wenn sie entweiht ist, so könnten die Einzelstücke ein weiteres Leben in anderer Umgebung bekommen...
    Aber natürlich hätten wir dann keinen so besonderen Lost Place mehr.
    Deine Fotos sind wunderbar und besonders die Fenster!
    Ich habe mir nun auch das Grabmal angesehen, was Du im Mai gepostet hast. Auch das ist so bemerkenswert und etwas Besonderes!
    Wie Du merkst, bin ich aus dem Offline-Urlaub zurück und schau gern wieder rein bei Dir...
    Herzlich,
    Sieglinde

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    1. ja, da stecken schon Werte in den Gegenständen, vielleicht erbarmt sich ja jemand. Um die Orgel ist es wirklich schade. Ja, das Grabmal war wirklich mal was völlig anderes. Freut mich, dass dir die Berichte immer wieder so gut gefallen.

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  16. Die Kirche wirkt noch gar nicht so verlassen. Wieder ein interessanter Bericht und schöne Bilder! LG Edeline

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    1. ich denke auch, dass sie noch gar nicht so lange leer steht. Es wurde noch nicht randaliert und auch Graffiti - Schmierereien sind noch nicht vorhanden.

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  17. ich finde es sehr schade dass man die Kirche so verfallen läßt und nicht unter Denkmalschutz stellt
    gerade mit dieser besonderen Art der Kanzel über dem Altar wäre es erhaltenswert..
    die Gemeinde oder ein Verein könnte sich dafür einsetzen..
    auch wenn der Turm nicht zu retten ist kann man den Rest sicher sichern und zu einem Besichtigungsort machen
    LG
    Rosi

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    1. da gebe ich dir völlig Recht, vielleicht findet sich ja jemand und nimmt sich der Kirche an.

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